Die Konfirmation: WOZU?

Wozu sollte man konfirmiert werden? Hier klaffen die Beweggründe ganz weit auseinander. Einige wenige halten sich wohl an die traditionelle Bedeutung der Konfirmation, wobei sie die Gültigkeit ihrer Kindertaufe durch ein persönliches Glaubensbekenntnis bestätigen und in die Gemeinde der Erwachsenen aufgenommen werden wollen. Andere dagegen, messen der Feier keine besondere religiöse Bedeutung bei und haben kein Verhältnis zum Glaubensbekenntnis, aber sehen darin eine Mündigsprechung und die Verantwortung, Nächstenliebe, Gerechtigkeit, Freude und Friedfertigkeit im humanistischen Sinn zu entfalten. Noch andere, und hier die Mehrzahl, machen sich kaum Gedanken über den Sinn der Konfirmation. Notgedrungen lassen sie den lästigen Konfirmandenunterricht und die große Feier über sich ergehen, weil es sich eben in unserer Gesellschaft so gehört. Für solche ist die Konfirmation oft der letzte Kirchenbesuch für längere Zeit, wenn nicht für immer, und der Kirchenaustritt ist häufig nur eine Frage der Zeit. ihnen ist die Konfirmation ein Eß- und Schenkfest, wobei die Geschenke, vor allem die Geldscheine, am meisten zählen.

Solch eine Vielzahl sich widersprechender Auflassungen bewegen uns, den Sinn der Konfirmation sorgfältig zu überprüfen. Natürlich kann man endlos darüber philosophieren und die Konfirmation laufend deuten, um sie dem Zeitgeist anzupassen. in dieser Frage jedoch müssen wir uns an das Neue Testament wenden. Dort hat man die abgeschlossene Offenbarung Gottes an seine Apostel und Propheten (Joh. 14,26, Eph. 3,3-5; 1.Tim. 3,16-17). Nur in diesem Wort erkennen wir, was Gott will und wie wir Gemeinschaft mit ihm finden (1.Joh. 1,1-4; 2,5-6; 14,6).Wenn die Schriften der Bibel keine Offenbarung von Gott sind, baut sich das Christentum auf einer trügerischen Erfindung auf, die dem christlichen Glauben jeden Sinn raubt. In diesem Fall sollten wir mit dem sinnlosen Glauben, den Kirchen und allem drum und dran ein für allemal Schluß machen. Anderseits, wenn das Wort der Bibel die Wahrheit Gottes ist, müssen wir uns daran halten, denn es wird letzten Endes unser Leben richten und damit unser ewiges Schicksal bestimmen (Joh. 12, 48).

Eine merkwürdige Reihenfolge

Bei einer Untersuchung des Neuen Testaments fällt es auf, daß die Konfirmationsfeier Im heutigen Sinn nicht einmal vorkommt. Darüber hinaus stellt man fest, daß die Reihenfolge Kindertaufe-Konfirmation nicht nur ohne jeglichen biblischen Beleg Ist, sondern auch dem Wesen der Bekehrung und der Taufe widerspricht!

Die Taufe im Namen Christi, bzw. auf Christus, ist eine menschliche Handlung (Matth. 28,1820), die sich im Wasser vollzieht (Apg. 10, 47~8). Sie ist notwendig zur Vergebung der Sünden (Apg. 2, 38), aber setzt folgendes voraus:

  1. Das Evangelium muß gehört und geglaubt werden (Mark. 16, 15-16; Apg.16, 30-33). Inder Taufe läßt Gott dem Getauften den geistlichen Segen durch den Glauben zukommen (Gal. 3,26-27; Kol. 2,12).
  2. Im Bewußtsein der eigenen Sündhaftigkeit und Schuld muß man sich nach Vergebung und einem guten Gewissen sehnen. Inder Wassertaufe richtet man die Bitte an Gott um ein gutes Gewissen (1.Petr. 3, 20-21).
  3. Die Sinnesänderung (Buße), d.h. die Entscheidung, sich vom eigenen Willen abzuwenden und sich dem Willen Gottes unterzuordnen, muß vorhanden sein (Apg. 2,38). In dieser Entscheidung kreuzigt man die alte sündhafte Lebensweise und wird in der Taufe begraben (Röm. 6,1-11). Der Tod (Buße) muß vor dem Begräbnis (Taufe) stattfinden, nicht umgekehrt!
  4. Der Taufbefehl des Neuen Testaments richtet sich an den Täufling selbst. Der Getaufte, und er allein, entscheidet, ob er getauft wird oder nicht (Apg. 2, 37-41; 22, 16).

Im Wort Gottes erkennt man die Reihenfolge Glaube, Sinnensänderung und Taufe, um Christ zu werden. Heute praktiziert man genau das Umgekehrte, nämlich Taufe, dann Glaubensbekenntnis durch Konfirmation. Wer hat die Vollmacht, die biblische Reihenfolge zu ändern?

Läßt sich die Kindertaute konfirmieren?

In diesem Artikel können wir auf die Argumente für die Kindertaufe nicht eingehen, aber die eben erwähnten Schriftstellen machen deutlich, daß die Säuglingsbesprengung in keiner Weise der Taufe im Namen Jesu Christi entspricht, denn die notwendigen Voraussetzungen fehlen. Dies hat Konsequenzen für die Gültigkeit der Kindertaufe.

Das Vorkommnis in Apostelgeschichte 19, 1-7 gibt auch etwas zu bedenken. Hier konnte Paulus die Johannestaufe einiger Jünger in Ephesus nicht anerkennen, weil die nötige Erkenntnis über Jesus Christus und den Heiligen Geist fehlte. Die Jünger haben sich sogleich mit dem neuen Verständnis auf den Namen Jesu Christi taufen lassen. Dieses Ereignis macht deutlich, daß die richtige Erkenntnis des Getauften über Jesus und den Zweck der Taufe zum Zeitpunkt der Taufe unentbehrlich ist. Sicherlich kann die Kindertaufe mit der Johannestaufe hier nicht in jeder Hinsicht verglichen werden, aber im Punkto mangelhaftes Wissen um das Wirken Jesu haben sie etwas Gemeinsames, denn die Kindertaufe geschieht auch ohne Erkenntnis des Evangeliums seitens des Täuflings. Manche entgegnen, daß die heutige Kindertaufe, im Gegensatz zu der Johannestaufe, »im Namen Jesu Christi« geschehe, aber dieser Einwand behebt nicht das Problem. Paulus weigerte sich, diese Johannestaufe anzuerkennen, nicht weil die bloße Formel »im Namen Jesu Christi« nicht ausgesprochen wurde, sondern weil die Taufe wegen unzureichender Erkenntnis der Getauften nicht im Glauben an das Erlösungswerk Jesu und das Kommen des heiligen Geistes geschehen konnte.

Welche Lösung finden wir in Apostelgeschichte 19,1-7? Die Ephesusjünger versuchten nicht, ihre ursprüngliche Taufe durch die reifere Erkenntnis nachträglich gültig zu machen, sondern sie haben sich im richtigen Verständnis neu taufen lassen. Ebensowenig läßt sich die Kindertaufe durch die Konfirmation nachträglich gültig machen. Jeder sollte sich gemäß dieser biblischen Lösung im Glauben an das Evangelium taufen lassen.

Eine biblische Konfirmation?

Manche verweisen auf die Handauflegung der Apostel bei den Samaritern (Apg. 8, 1 ~1 7) und den Ephesusjüngern (Apg. 19,6) als Beleg für die heutige Konfirmation. Hier jedoch haben die Apostel keine Konfirmationsfeier abgehalten, sondern gläubig getauften Menschen besondere Zeichen und Wunder vom Heiligen Geist verliehen. Dies erkennt man besonders aus Apostelgeschichte 8,16, wo der Ausdruck »auf sie fallen« bezüglich des Heiligen Geistes vorkommt. Die Redewendungen »auf sie fallen« und »auf sie kommen« in Bezug auf den heiligen Geist beziehen sich immer auf die Verleihung von Zeichen und Wundern durch den Geist, wie aus anderen Stellen der Apostelgeschichte hervorgeht(Apg. 1,8,2, 1~,10,44--48;11, 15, 19,6>. Die Verleihung der Geistesgaben durch Handauflegung der Apostel war für jeden sichtbar wahrzunehmen, wie wir aus Simeons Reaktion klar erkennen können (Apg. 8,13.18).

Das Wort »Konfirmation« leitet sich von dem lateinischen Verb confirmare ab, das »festmachen« oder »bestärken« bedeutet. Tatsächlich gibt es Festigung und Stärkung für Christen. Inder Urgemeinde haben Christen in den Geistesgaben, durch die sie Gottes Wort offenbarten und bestätigten, Stärkung gefunden (1. Kor. 14,4. 26). Durch das Gebet, die gegenseitige Liebe, den Glauben (Eph. 3,1 4--1 7), die Vorsehung Gottes (1. Petr. 1, 5--1 0) werden Christen befestigt. Die »Konfirmation« (Festigung) für Christen geschieht keineswegs in einer feierlichen Zeremonie, sondern durch die Hilfe Gottes in Verbindung mit einem gottgefälligen Lebenswandel.

Die Gefahren

Wir wagen, die liebgewonnen Traditionen der Kindertaufe und Konfirmation - nicht aus Hochmut, sondern aus Liebe - anzugreifen. Wir haben keinen Grund zu glauben, daß Gott durch die Kindertaufe und Konfirmation wirkt, weil sie unbiblisch sind. Viele, die solche Zeremonien mitgemacht haben, wiegen sich in einer falschen Sicherheit, was ihr Verhältnis zu Gott betrifft. Darüber hinaus sind viele, die so getauft und konfirmiert worden sind, nie zu einem persönlichen Glauben gekommen und haben ihr Denken und Leben im Sinne Christi nie geändert. Dies alles führt zu einer großen Volkskirche voller »Kartei-Christen« und gesellschaftlicher Zeremonien, die weder für Gott, noch für Menschen einen Sinn haben. »Dieses Volk ehrt mich mit seinen Lippen, aber ihr Herz ist fern von mir; vergeblich dienen sie mir, weil sie solche Lehren überliefern< die nichts als Menschengebote sind« (Matth. 15, 8-9).

Glenn Jones, Kiel