Es ist allgemein bekannt, daß Menschen die Bücher des Neuen Testaments geschrieben haben. Viele folgern daraus, daß das Neue Testament nichts anderes als die persönlichen Ansichten mancher Jünger des Urchristentums über Jesus darstellt. »Da die Bibel von Menschen geschrieben wurde, kann man es mit ihr nicht so genaunehmen«, urteilen sie deshalb. Auch in manchen angeblich christlichen Kreisen erkennt man den Versuch, eine Trennung zwischen der Vollmacht der Worte Jesu und der der Apostel herbeizuführen. Oft hält man dabei die Worte Jesu für Gottes Wort, das auch heute verbindlich ist, aber die Worte der Apostel für Menschenworte, die heute nicht unbedingt verbindlich sind. Diese Trennung hat weitreichende Folgen für die Bedeutung und Vollmacht des Neues Testaments. Wie sollten wir die Schriften des Neuen Testamentes einschätzen, wenn wir Jesus glauben und folgen wollen?
Zu seinen Lebzeiten hat Jesus die Jünger beauftragt, das Evangelium überall in der Welt zu verkünden. Zur Erfüllung dieser Aufgabe hat Jesus ihnen die Hilfe des Heiligen Geistes versprochen, der ihnen die Wahrheit und den Willen Gottes direkt vermitteln sollte. Über den Heiligen Geist sagte Jesus im Johannes 16, 14-15: »Er wird mich verherrlichen, denn von dem, was mein ist, wird er's nehmen und euch verkünden. Alles, was der Vater hat, das ist mein. Darum habe ich gesagt: Er wird's von dem nehmen, was mein ist, und euch verkündigen.«
Daraus geht hervor, daß die Wahrheit, die Jesus der Welt geben wollte,
über den Heiligen Geist direkt an die Apostel weitergegeben werden sollte.
In ähnlicher Weise stärkte Jesus seine Jünger mit der
Verheißung: »So beherzigt nun, daß ihr euch vorher keine
Sorgen macht, wie ihr euch verteidigen sollt. Denn Ich will euch Weisheit
In den Mund legen, der alle eure Gegner nicht widerstehen oder widersprechen
können« (Luk. 21, 14-15). Wer Jesus glauben will, muß auch
glauben, daß die Verkündigung durch die Apostel nicht auf ihrem
menschlichen Verstand und Denken beruht, sondern auf dem Wort Jesu Christi
selbst, der nach seinem Abschied von den Aposteln durch den Geist direkt
zu ihnen redete.
Die Vorstellung daß die Apostel lediglich als mechanisch funktionierende
Sekretäre ein Diktat vom Heiligen Geist aufschrieben, wäre ein
Zerrbild der göttlichen Eingebung. Bei der Verfassung einer Bibelschrift
hat der Geist durch die Erfahrungen, Gedanken und Persönlichkeit des
Verfassers so gewirkt, daß die daraus entstandene Schrift zwar einen
ganz persönlichen Schreibstil aufweist, aber gleichzeitig die Botschaft
Gottes in den von ihm ausgewählten Worten ausdrückt.
»Wenn sie euch nun ausliefern werden, so sorgt nicht wie oder was ihr reden sollt; denn es soll euch in dieser Stunde eingegeben werden, was ihr reden sollt. Denn nicht Ihr seid es, die dann reden, sondern der Geist eures Vaters Ist es, der durch euch redet« (Matt. 10, 19-20). Nicht nur für den Inhalt der göttlichen Offenbarung hat der Geist gesorgt, sondern auch dafür, wie die Apostel sie formulieren sollten. Dies bestätigt Paulas in 1. Korinther 2, 12-13: »Wir aber haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist aus Gott, so daß wir wissen können, was uns von Gott geschenkt ist. Und davon reden wir nicht mit Worten, wie sie menschliche Weisheit lehren kann, sondern mit Worten, die der Geist lehrt, und deuten das Wirken des Geistes auf geistgewirkte Art.« Diese Aussagen zeigen, daß Jesus für die Botschaft der Apostel verantwortlich ist, und daß er diese Verkündigung als sein eigenes Wort betrachtet. Wer Jesus glauben will, darf die Worte der Apostel nicht auf die leichte Schulter nehmen, sondern muß ihnen als Gottes Wort gehorchen. Wer die Worte der Apostel ablehnt, lehnt damit die Worte Jesu ab.
Die Taten und Aussagen Jesu auf Erden bilden die Grundlage des Christentums.
Deswegen war es notwendig, die wichtigsten Taten und Aussagen Jesu fehlerlos
festzuhalten. Um diese Aufgabe zu erfüllen, mußte der Geist die
Jünger vollständig und fehlerlos daran erinnern, was Jesus
während seines irdischen Aufenthaltes vollbracht hat. In zwei Stellen
des Johannesevangeliums verspricht Jesus den Jüngern, die von Anfang
an bei ihm waren, diese Hilfeleistung: »Aber der Beistand, den mein
Vater in meinem Namen senden wird, der Heilige Geist, der wird euch alles
lehren und an alles erinnern, was Ich euch gesagt habe« (Joh. 14, 26).
»Wenn aber der Beistand kommen wird, den ich euch vom Vater senden werde,
der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, der wird Zeugnis für
mich ablegen. Und auch ihr seid meine Zeugen, denn ihr seid von Anfang an
bei mir gewesen« (Joh. 15, 26-27). Unter Leitung des Heiligen Geistes
haben die Apostel ein fehlerloses und vollkommenes Zeugnis über das
Leben Jesu abgelegt. Der Geist hat die Worte und Taten Jesu, die die Apostel
bezeugen sollten, ausgewählt und die Unfehlbarkeit ihres
Erinnerungsvermögens gewährleistet. Wer Jesus glaubt, darf das
apostolische Zeugnis über das Leben Jesu und die Entstehung der Gemeinde
nicht auf rein menschliche Berichterstattung, sondern muß es
schließlich auf Gott zurückführen.
In Johannes 16,12-13 legte Jesus die zweite Aufgabe des Geistes dar: »Ich habe euch noch viel zu sagen; aber ihr könnt es jetzt nicht ertragen. Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, wird er euch in alle Wahrheit führen.« Das irdische Wirken Jesu hatte lediglich das Fundament für den Plan Gottes gelegt. Darüber hinaus waren noch weitere Erkenntnisse notwendig, um den Plan durchzuführen. Den Jüngern fehlten nicht nur die volle Klarheit über das Leben Jesu, sondern auch die weiteren Erkenntnisse, die für ihr Auftreten im Namen Jesu nötig waren. Der Geist sollte diese Unklarheit aufheben, indem er sie in jeder Hinsicht in die ganze Wahrheit führte. Wer die apostolische Verkündigung nicht ernst nimmt, übersieht gerade das, was das Wirken Jesu erklärt und vervollständigt. Der Ausdruck »in alle Wahrheit führen« läßt erkennen, daß die Apostel zu ihren Lebzeiten eine vollständige Offenbarung Gottes über alles, was Gott den Menschen je geben wollte, erhalten würden.
Für einen, der Jesus glaubt, ist die apostolische Verkündigung
Gottes Wort, der alleingültige Maßstab der Wahrheit und ein
vollkommenes Zeugnis über das Leben Jesu und die Entstehung der Gemeinde.
Deswegen betrachtet der Christ die neutestamentlichen Schriften der
ursprünglichen Apostel, wie Matthäus, Johannes und Petrus, als
Gottes Wort. Wenn diese Apostel, als Maßstab der Wahrheit, andere
Jünger für Apostel und Propheten hielten, wie z. B. Paulus und
Jakobus, so sind auch ihre Schriften maßgeblich. Auch die Schriften
derer, die das Zeugnis der Apostel unter apostolischer Aufsicht aufschrieben,
wie Markus und Lukas, tragen apostolische Vollmacht, und damit göttliche
Vollmacht. Wer Jesus als Herrn anerkennt und die Logik seiner Aussagen über
die Leitung der Apostel durch den Heiligen Geist konsequent verfolgt, muß
schließlich erkennen, daß das Neue Testament tatsächlich
Gottes Wort ist.
Glenn Jones, Kiel