In diesem Artikel wollen wir uns mit einem Problem belassen, das uns seelisch
belastet, die ganze Welt in Chaos stürzt, unseren Tod herbeiführt
und uns sogar ewig verderben kann. Normalerweise würden wir uns vor
so einer Gefahr in acht nehmen, aber merkwürdigerweise wird sie in unserer
Zeit kaum beachtet, sogar verneint, verdrängt und verspottet. Um es
beim Namen zu nennen: Es geht um die »Sünde«.
Das altgriechische Wort, das mit »Sünde« übersetzt wird,
bedeutet, ein Ziel zu verfehlen oder nicht zu treffen. Laut Bibel
ist das Ziel menschlichen Denkens und Handelns, Gott und seinem Willen zu
entsprechen. Wenn unser Denken und Handeln dem Wesen und Willen Gottes nicht
entspricht, ist es verfehlt, trifft nicht das von Gott gesetzte Ziel und
wird somit als Sünde bezeichnet. »Sünde«
schließt deswegen alles ein, was im Gegensatz zu Gott und seinem Willen
steht, also im Widerspruch zu dem, was recht ist. Johannes erklärt:
»Wer Sünde tut, lehnt sich auch gegen Gott auf, und die Sünde
ist die Auflehnung gegen Gott ... Nun ist zwar alles Unrecht Sünde
...« (1. Joh. 3, 4; 5,17).
Wer möchte behaupten, daß sein Leben fehlerlos sei? Irgendwann
haben wir alle unseren Anteil an Ungeduld, Zornausbrüchen, Haß,
Rachsucht, Neid, Habsucht, Undankbarkeit, Hochmut, Lügen usw. gehabt.
Vielleicht fühlen wir uns schuldig, weil wir unsere Familie
vernachlässigt, Gut und Geld nicht ganz legal erworben oder denen
gegenüber, die uns vertrauten, versagt haben. Wer sein Leben mit den
Maßstäben Gottes vergleicht, muß dem Urteil der Apostel
zustimmen:
»Alle haben gesündigt und die Herrlichkeit verloren, die Gott
ihnen zugedacht hatte...« (Röm.3,23).
»Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, betrügen wir uns
selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns« (1.Joh.1,8).
Manche wollen ihre eigene Schuld verdrängen, indem sie nur an das Gute
in ihrem Leben denken. Andere meinen, daß ihre menschenfreundlichen
Taten, der häufige Gottesdienstbesuch, die regelmäßige Zahlung
der Kirchensteuer und das Vermeiden schwerer Verbrechen ihre Schuld aufwiegen.
Im folgenden Gleichnis widersprach Jesus solchen Ansichten und zeigte, daß
die Erkenntnis eigener Schuld Voraussetzung für den Frieden mit Gott
ist:
»Zwei Männer gingen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine
ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stellte
sich allein hin und betete so: Ich danke dir, Gott, daß ich nicht bin
wie die andern Leute, Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie
dieser Zöllner. Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten
von allem, was ich einnehme. Doch der Zöllner blieb hinten stehen und
wollte auch nicht die Augen zum Himmel aufheben, sondern schlug sich an die
Brust und sagte: Gott, sei mir Sünder gnädig! Ich sage euch: Dieser
ging gerechtfertigt in sein Haus hinab, nicht aber jener« (Luk.18,
10-14).
Bei der Sünde geht es nicht um eingebildete Schuldgefühle, sondern
um eine gefährliche Macht, die schwerwiegende Folgen nach sich zieht.
Die Sünde zerstört zwischenmenschliche Beziehungen und stürzt
die Umwelt in Chaos:
Woher kommen die Kämpfe und Streitigkeiten unter euch? Kommen sie
nicht daher, daß in euren Gliedern die Begierden gegeneinander streiten?
Ihr begehrt etwas und erlangt's nicht; ihr mordet und seid eifersüchtig
und gewinnt damit nichts; ihr streitet und kämpft. Ihr habt nichts,
weil ihr nicht bittet; ihr bittet und empfangt nichts, weil ihr in böser
Absicht bittet, nämlich weil ihr's in eurer Gier verzehren wollt«
(Jak. 4,1-3).
Durch den Sündenfall kam der Fluch Gottes über die Erde und der
Tod übereilte Menschen. Im Garten Eden sprach Gott zu Adam:
»... verflucht sei der Acker um deinetwillen. ... Im
Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du wieder
zu Erde werdest, davon du genommen bist. Denn du bist Erde und sollst zu
Erde werden« (1. Mose 3,17.19).
Paulus beschreibt es so:
»Deshalb gilt nun: Durch einen Menschen ist die Sünde in die
Welt gekommen und der Tod durch die Sünde, und so ist der Tod zu allen
Menschen durchgedrungen, weil sie alle gesündigt haben«
(Röm. 5, 12).
Die Vergänglichkeit der Schöpfung sowie Unheil und Schmerzen in
der Welt sind letzten Endes auf diesen Fluch zurückzuführen. Solche
Verhältnisse beweisen keineswegs die Nicht-Existenz Gottes, wie viele
meinen, sondern bestätigen den Ernst der Gerechtigkeit Gottes und die
Wirklichkeit der Sünde:
»Die Schöpfung ist ja der Vergänglichkeit unterworfen -
nicht nach ihrem Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat. ...
Denn wir wissen, daß die ganze Schöpfung bis zu diesem Augenblick
gemeinsam seufzt und in Wehen liegt.. (Röm. 8, 20.22).
Die folgenschwerste Auswirkung der Sünde ist die Feindschaft gegen Gott.
Gott wird diese Feindschaft, Auflehnung und Verspottung nicht ewig dulden.
Seine Gerechtigkeit fordert Konsequenzen für die halsstarrigen
Sünder:
»Denn Gottes Zorn offenbart sich vom Himmel her über alle
Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen, die die Wahrheit durch
Ungerechtigkeit niederhalten. ... Mit deinem verstockten und unbußfertigen
Herzen sammelst du dir selbst Zorn an auf den Tag des Zorns und der Offenbarung
des gerechten Gerichts Gottes, der jedem nach seinen Werken vergelten wird:
... Ungnade und Zorn aber denen, die selbstsüchtig sind und der Wahrheit
nicht gehorchen, sondern der Ungerechtigkeit; Bedrängnis und Angst
über alle Menschen, die das Böse tun. ... (Röm. 1,18;
2,5-6; 8-9).
Aus eigener Kraft können wir nicht sündenfrei leben, um vor Gott
und Menschen völlig gerecht dazustehen. Deswegen stecken wir in einem
Dilemma. In unserer Schuld sind wir verloren und dem Zorn Gottes ausgeliefert!
Wie Paulus sind wir alle elende, hoffnungslose Sünder. Mit ihm können
wir die innere Frustration, Unzufriedenheit, Unruhe und Angst aufgrund der
Sündenschuld gut nachempfinden:
»Ich will zwar das Gute tun, bringe aber nur das Böse zustande.
Denn in meinem Innern habe ich Gefallen an Gottes Gesetz; aber in meinen
Gliedern sehe ich ein anderes Gesetz, das mit dem Gesetz meiner Vernunft
im Streit liegt und mich im Gesetz der Sünde gefangen hält. ...
Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem todverfallenen
Leibe?« (Röm.7,21-24).
Trotz der Entfremdung durch die Sünde hat Gott in seiner tiefen Liebe
für die Menschheit uns einen Weg zur Errettung angeboten:
»So sehr hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen einzigen
Sohn dahingab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern
das ewige Leben haben« (Joh. 3, 16).
Jesus erkannte die geistliche Not der Menschen, die hilflos und hoffnungslos
in ihren Sünden verloren waren. Er hat zwar Nächstenliebe,
Gewaltlosigkeit, einen ungeheuchelten Lebenswandel usw. betont, aber all
diese Grundsätze müssen seinem Hauptanliegen untergeordnet werden,
nämlich die Menschen von ihren Sünden zu erretten und sie wieder
zu Gott zu führen:
»Ich bin gekommen, die Sünder zur Umkehr zu rufen und nicht
die Gerechten ... der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und zu retten,
was verloren ist« (Luk.5, 32;19,10).
Die Apostel erklärten, wie alle Sünder aus Gottes Gnade ohne eigenen
Verdienst gerettet werden. Im Ausgießen seines Blutes gab Jesus sein
schuldloses Leben hin, um den Preis der Sünde, den Tod, für uns
zu bezahlen. Dadurch waren die Sünden aller Zeiten nach den
Maßstäben göttlicher Gerechtigkeit gesühnt, und somit
konnte Gott uns Liebe und Gnade erweisen, ohne seine Gerechtigkeit
einzubüßen:
»Alle ... werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die
Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist. Den hat Gott für
den Glauben als Sühne hingestellt in seinem Blut zum Erweis seiner
Gerechtigkeit, indem er die Sünden vergibt, die früher, in der
Zeit seiner Geduld, begangen wurden, um nun in dieser Zeit seine Gerechtigkeit
zu erweisen, daß er selbst gerecht ist und den gerecht macht, der aus
dem Glauben an Jesus lebt« (Röm. 3, 23-26).
»... Wir haben einen Beistand beim Vater, Jesus Christus, den Gerechten.
Er ist die Sühne für unsere Sünden, aber nicht nur für
unsere Sünden, sondern auch für die der ganzen Welt« (1.
Joh. 2,1-2).
Das Ergebnis dieser Sündenvergebung ist von unvorstellbarer
Größe und Herrlichkeit. Wir werden von aller Schuld freigesprochen
und erlangen das ewige Leben mit Gott:
»Auch euch, die ihr einst ihm fremd und feindlich gesinnt wart in
bösen Werken, hat er nun dadurch versöhnt, daß er seinen
irdischen Leib in den Tod gab, um euch HEILIG und OHNE MAKEL und TADEL vor
sein Angesicht zu stellen« (Kol. 1, 21-22)
»Gott, der reich ist an Erbarmen, hat in seiner großen Liebe
... auch uns, die wir in Sünden tot waren, mit Christus lebendig gemacht
- aus Gnade seid ihr gerettet. Er hat uns mit ihm auferweckt und zusammen
mit ihm in die himmlische Welt versetzt in Christus Jesus, um in den kommenden
Zeiten den überschwenglichen Reichtum seiner Gnade kundzutun durch die
Güte, die er uns erwiesen hat in Christus Jesus« (Eph. 2,
4-7).
Durch Jesus erreichen wir die Versöhnung (Wiedervereinigung) mit Gott
und haben Anteil an der Gemeinschaft mit seiner errettenden Kraft und Liebe.
Diesen Segen werden natürlich nur die empfangen, die auf Gottes Weisheit
und nicht auf ihre eigene vertrauen.
»Das Wort vom Kreuz ist Torheit denen, die verloren gehen; uns aber,
die wir gerettet werden, ist es Gottes Kraft ... Denn weil die Welt, durch
ihre Weisheit Gott nicht erkannte, gefiel es Gott, durch die Torheit der
Predigt die zu retten, die glauben ... Wir aber predigen den gekreuzigten
Christus, den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit; denen
aber, die berufen sind, Juden wie Griechen, predigen wir Christus als Gottes
Kraft und Gottes Weisheit. Denn die göttliche Torheit ist weiser, als
die Menschen sind, und die göttliche Schwachheit ist stärker, als
die Menschen sind« (1.Kor.1, 18.21.23-25).
Glenn Jones, Kiel