ohne Gott?
Blitzschnell verbreitete sich am 18. Oktober 1977 die Nachricht über
die Befreiung der Geiseln aus der Lufthansa-Maschine in Mogadischu, die vier
palästinensische Luftpiraten fünf Tage vorher in ihre Gewalt gebracht
hatten. Interassanterweise löste diese Meldung ganz unterschiedliche
Reaktionen unter der Bevölkerung aus. Bei vielen war diese Nachricht
Anlaß zum Aufatmen und brachte Erleichterung. Sie teilten die Meinung,
daß die Sturmaktion gegen die Entführer eine gerechtfertigte
Maßnahme war, um die Geiseln von mörderischen Verbrechern zu befreien
und den Rechtsstaat mit seiner Freiheit aufrechtzuerhalten. Andere dagegen
verurteilten diese Maßnahme als ein Blutbad und hielten deshalb
künftige Gewalttaten im Freiheitskampf gegen die korrupte imperialistische
Gesellschaft für gerechtfertigt
Gleich am nächsten Tag kam die Meldung, daß der entführte
Arbeitgeberpräsident Dr. Hans-Martin Schleyer von Mitgliedern der Roten
Armee Fraktion (RAF) getötet und im Kofferraum eines Autos tot aufgefunden
worden sei. Wiederum kam es zu gegensätzlichen Urteilen. In voller
Empörung bezeichneten viele den Tod Schleyers als kaltblütigen
Mord. Andere hielten ihn für die gerechtfertigte Hinrichtung eines korrupten
Imperialisten.
Diese Beispiele zeigen, in welchem Dilemma sich unsere Gesellschaft befindet,
wenn es ihr an verbindlichen Wertvorstellungen fehlt. Gerade das, was für
viele zu den teuersten moralischen Werten zählt, wie z.B. die Würde
eines jeden Menschen, die Bürgerrechte, die Ordnung und Freiheit des
gegenwärtigen Rechtsstaats, wird von anderen für nebensächlich
oder gar verdammenswert gehalten. Verwirrung und Unsicherheit sind das Ergebnis.
Was ist Recht und Unrecht, was ist das Gute und das Böse? Welche
Maßstäbe sollen über gut und böse bestimmen? Kann der
Mensch wirklich für sein Benehmen verantwortlich sein? Bei solchen Fragen
geht es nicht um philosophische Theorien, sondern um praktische Grundsätze,
die unsere moralischen Ansichten gestalten und damit unsere zwischenmenschlichen
Beziehungen im Alltag regeln.
Angesichts der steigenden Herzlosigkeit innerhalb der Gesellschaft und des
bedrohlichen Zerfalls aller Wertvorstellungen werden Stimmen laut, die zur
Humanität und Verantwortlichkeit aufrufen. Solche Aufrufe sind durchaus
zu begrüßen, aber leider entpuppen sie sich oft als atheistisch
gesinnter Humanismus, d. h. eine Moral ohne jeglichen Bezug auf Gott.
Moral ohne Gott erweist sich als widersprüchlich und ist zum Scheitern
verurteilt. Sie bietet uns keinen Ausweg aus dem vorerwähnten Dilemma;
sie ist vielmehr für ein solches Dilemma verantwortlich. Das folgt aus
einer atheistischen Auffassung der Entstehung des Menschen. Wer Gott und
den gesamten übernatürlichen Bereich ablehnt, muß die Entstehung
des Weltalls und des Menschen schließlich auf Energie und Materie
zurückführen. Es bleibt dem Ungläubigen nichts anderes
übrig, als den Menschen rein physisch zu erklären. Dabei bedient
er sich einer Evolutionstheorie, in der natürliche, biologische
Vorgänge immer höherentwickelte Lebensformen herbeigeführt
haben, bis schließlich die Gestalt »Mensch« erreicht wurde.
Was die Moral betrifft, zieht diese Auffassung des Menschen schwere Folgen
nach sich.
Die Entwürdigung des Menschen
Die atheistische Entwicklungslehre betrachtet den Menschen als eine zufällige Zusammenstellung der Materie. Alle Vorgänge des Lebens, auch im seelischen und geistigen Bereich, werden letzten Endes als Funktionen der Biochemie aufgefaßt. Der Mensch wäre ein biochemischer Automat, der in etwa mit einem Computer zu vergleichen wäre. Genau wie die Herstellung und das eingegebene Programm die Funktion des Computers völlig bestimmen, so würden die Evolution und die gegenwärtige Umgebung die Funktion des Menschen
bestimmen. Es ist äußerst fraglich, ob sich die menschliche
Persönlichkeit ausschließlich aus dem Stofflichen erklären
läßt, aber der materialistische Humanismus muß konsequenterweise
alles nur im Rahmen des Stofflichen erklären. Dabei wird der Mensch
seiner Würde beraubt. Als stoffliche Gestalt würde der Mensch an
sich keinen Eigenwert besitzen. Der Wert eines Menschen wäre bestenfalls
zeitweilig und von seiner Nützlichkeit und Leistungsfähigkeit
abhängig. Wenn der menschliche Organismus nicht länger nützlich
und leistungsfähig in seiner Umgebung mitwirken kann, wäre sein
Dasein als untauglich und »lebensunwert« zu bezeichnen. Der Mensch
wäre eben ein kleines Teil einer großen kosmischen Maschine, das
man nach Abnutzung oder bei Fehlfunktion ohne weiteres verschrottet und durch
ein anderes ersetzt. Die Judenverfolgung unter der Naziherrschaft und die
Ermordung Geisteskranker mit der Begründung »Unwertes Leben«
sind Beispiele dieser Entwürdigung des Menschen.
Die Unzuverlässigkeit des Denkens und aller
Wertmaßstäbe
Wenn das Geistige und Personhafte eines Menschen bloße biochemische
Vorgänge darstellten, entsprängen unsere Gedanken und Entscheidungen
keineswegs einem freien Willen, der sich einsichtsvoll mit logischen und
moralischen Alternativen auseinandersetzt. Unsere Gedanken wären nichts
weiter als biophysische Vibrationen und Hirnschwingungen, die zufällig
aus der Umgebung im Kopf entstehen. Das besagt, daß unsere Ansichten
über Moral, Vernunft und andere Themen nur das Ergebnis eines mechanischen,
irrationalen Naturprozesses wären. Wir hätten keinen stichhaltigen
Grund zu behaupten, daß unser Denken uns wahre und zuverlässige
Gedanken vermittelt. Wir müßten unser Denken nicht nur als irrational
bezeichnen, sondern wir hätten auch keine Grundlage für irgendwelche
Wertmaßstäbe. Weder ein einzelner Mensch, noch eine Gruppe von
Menschen könnte die Behauptung begründen, daß ausgerechnet
ihre Umgebung ihnen die wahren Maßstäbe für Moral, Vernunft
oder Zweckdienlichkeit auferlegt hätte. Wie könnten wir die Meinung
begründen, daß die Terroristen weniger Recht hätten als der
friedliebende Bundesbürger, oder daß die Moral des Kopfjägers
auf einer niedrigeren Stufe stünde als die des aufgeklärten
Europäers? Es bliebe uns nur der Relativismus, bei dem es jedem
überlassen bleibt, welche Sinlichkeitsnormen er sich setzt, und wie
er sich verhält. Dabei fehlt jeder allgemein gültige Maßstab
zur Beurteilung dessen, was Moral, Vernunft oder Zweckdienlichkeit wirklich
ist. Man könnte nichts Stichhaltiges gegen denjenigen einwenden, der
der jetzigen Gesellschaft keine Bedeutung beimißt, sondern nur für
seinen eigenen Vorteil lebt, auch wenn dies gelegentlich zum Diebstahl oder
Mord führt. Es wäre unmöglich, irgendeine Stellungnahme zu
Sittlichkeitsfragen logisch oder moralisch zu begründen. Eine Moral
ohne Gott stellte bestenfalls unsere eigenen subjektiven Gefühle dar.
Das Schwinden aller Verantwortung
Als reine Gestalt der Natur könnte der Mensch für sein Benehmen
nicht verantwortlich sein. Der Mensch könnte lediglich auf physische
Impulse seiner Umgebung reagieren, aber sein Denken und Benehmen nicht
verantworten. Unter diesen Umständen könnte man weder einen anderen
zur Verantwortung ziehen, noch selbst zur Verantwortung gezogen werden. Ich
könnte einen Bankangestellten, der einen Betrag von meinem Konto
unterschlagen hat, genausowenig zur Rechenschaft ziehen, wie den Computer,
der den gleichen Betrag von meinem Konto irrtümlicherweise abgebucht
hat, denn beide folgten lediglich den Impulsen des Programms ihrer Umwelt.
Ebenfalls wäre es unsinnig, einen Mörder, Entführer, Dieb
oder sonst einen sogenannten Verbrecher zur Verantwortung zu ziehen oder
zu bestrafen. Mit dem Schwinden des Verantwortungsbewußtseins schwindet
auch jede Grundlage des Rechtssystems und eines geordneten Lebens.
Die Konsequenz und Inkonsequenz der Moral ohne Gott
Das Menschenbild ohne Gott ist äußerst düster. Der Mensch
wird zu einer Maschine der Natur, zu einem Objekt degradiert. Sein Leben
ist sinnlos und hoffnungslos und geht chaotisch zu. Außerdem kann es
weder gültige, moralische Normen, noch ein Verantwortungsbewußtsein
geben. Eine Moral ohne Gott ist Täuschung und kann uns aus dem Wirrwarr
der sich widersprechenden Wertvorstellungen unserer Zeit nicht
herausführen.
Im Gegensatz zu dieser atheistischen Auffassung vermittelt uns die Bibel
ein wesentlich sinnvolleres Bild des Menschen und der Moral. Hier heißt
es, daß der Mensch der Art Gottes entsprungen und in seinem Ebenbild
erschaffen worden ist (Apg. 17, 27-29; 1. Mose 1, 26-27). Der Mensch ist
eine Persönlichkeit, dessen Wille und Vernunft von Gott stammt und seine
geistlichen Eigenschaften zum Teil widerspiegelt. Diese geistliche Gemeinsamkeit
zwischen Gott und jeder Person verleiht dem Menschen seine Würde. Egal
in welcher Verfassung sich sein physischer Organismus befindet, ist der Mensch
als Ebenbild Gottes nie wertlos oder verachtenswert. Von Gott leitet der
Mensch seine Fähigkeit ab, logisch und moralisch zu denken. Aus diesem
Denken kann er freie Entscheidungen treffen, die er verantworten kann und
muß. Gott, als Schöpfer des Weltalls, kennt die menschliche Natur
und ihre Bedürfnisse. Daher hat Gott dem Menschen eine moralische Norm
gegeben, die sein irdisches Leben sinnvoll gestalten und ihm im Komplex der
zwischenmenschlichen Beziehungen helfen kann. Diese Sittlichkeitsnorm ließ
er vor allem durch Jesus und seine Apostel offenbaren und durch Wunder
bekräftigen. In der Auferstehung Jesu sieht man seine Kraft, jeden Menschen
vom Tode aufzuerwecken und zum Gericht zu führen, wo jeder nach den
biblischen Wertvorstellungen gerichtet wird (Joh. 5, 24-29; Apg. 17, 30-31).
Wer diese Werte verspottet oder mißachtet hat, wird von Gott für
immer verworfen. Wer aber danach gelebt hat, wird von Gott zum ewigen Leben
geführt. Eine erfundene Moral ohne Gott führt zur Sinnlosigkeit;
die Moral von Gott führt zum Sinn des Lebens!
Glenn Jones, Kiel