Ein weltweites Problem
Holocaust! Welche Aussagekraft hat dieses Fremdwort, wenn man seinen
ursprünglichen Sinn kennt Dieser griechische Ausdruck bedeutete vorerst
»vollständig oder ganz verbrannt« und bezieht sich unter anderem
auf »Vernichtung durch Feuer«. Passend ist also »Holocaust«
als Titel für den neulich ausgestrahlten amerikanischen Film, der das
Schicksal einer jüdischen Familie im Dritten Reich schildert. So umstritten
dieser Film sein mag, hat er deutlich gezeigt, welche Gehässigkeit und
Kraft der Rassismus in sich birgt und zu welcher maßlosen Vernichtung
er fähig ist.
Der Rassismus beschränkt sich natürlich nicht nur auf das Dritte
Reich, sondern hat seit Menschengedenken die Welt mit Haß und Krieg
geplagt. Auch heutzutage greift der Rassismus um sich als treibende Kraft
für viele Kriege und politische Auseinandersetzungen. Im Mittelmeerraum
kämpfen Griechen gegen Türken und Araber gegen Juden. Die
Apartheid-Politik Südafrikas und die bitteren Kämpfe der afrikanischen
Stämme unter sich weisen auf den lebhaften Rassenkampf in diesem Erdteil
hin. Im fernen Osten ist letztens der Haß zwischen Vietnamesen und
Chinesen zum Vorschein gekommen. In Australien ist das Verhältnis zwischen
den schwarzen Ureinwohnern und den Weißen gestört. Der Rassenkampf
Amerikas zeigt sich in den Unruhen zwischen den Weißen und Schwarzen
bzw. Indianern. In Südamerika sieht man den Konflikt zwischen den
eingeborenen Indianern und dem Volk spanischer Herkunft. In der Bundesrepublik,
wie in anderen europäischen Ländern, ist ein Rassenproblem zwischen
den Einheimischen und den Gastarbeitern aufgetaucht. Weitere Beispiele
könnte man hier anführen, aber diese lassen klar erkennen, daß
Rassismus auch in unserer Zeit ein weltweites Problem ist, das fast jeden
von uns ganz persönlich betrifft.
Ursachen des Rassismus
Die Auswirkungen des Rassismus gehören sicherlich mit zu den schlimmen
Zeiten der letzten Tage, die der Apostel Paulus in 2. Timotheus 3,1-13
beschreibt. In diesem Abschnitt erläutert Paulus den wachsenden Verfall
der Frömmigkeit unter den Menschen durch eine ganze Reihe böser
Eigenschaften. Die ersten fünf dieser Eigenschaften beziehen sich nicht
speziell auf den Rassismus, aber schildern doch die Einstellung, die dem
Rassismus zugrunde liegt. Zunächst bezeichnet Paulus die Menschen als
selbstsüchtig (eigenliebig) und geldgierig. Diese Worte drücken
den Geiz und Eigennutz aus, bei dem jeder auf seinen Vorteil bedacht ist.
Hier wird das eigennützige Streben nach wirtschaftlicher und politischer
Macht angesprochen, das bei Rassenproblemen immer eine wichtige Rolle spielt.
Jede Rasse bemüht sich um das reichste Land, die besten Arbeitsplätze,
die günstigsten Verdienstmöglichkeiten und die politische Macht.
Um diese Vorteile zu erkämpfen oder für sich zu behalten, fühlt
sich eine Rasse oft gezwungen, die Konkurrenz der gegnerischen Gruppen durch
Unterdrückung und Entzug der Bürgerrechte auszuschalten. Daraus
entsteht eine Rassendiskriminierung, die häufig durch ungerechte und
brutale Methoden aufrechterhalten wird.
Den Worten »selbstsüchtig und geldgierig« fügt Paulus
prahlerisch und hochmütig hinzu. Hier finden wir den Rassenstolz, der
Haß und Diskriminierung schürt. Begünstigt durch
größere Macht, eine bessere Ausbildung oder sonstige Umstände,
bildet sich eine Rasse ein, daß sie anderen Rassen von Natur aus
überlegen sei und daher ein natürliches Anrecht auf eine Sonderstellung
mit exklusiven Rechten besitze. Eine solche Denkweise führt dazu, daß
eine Rasse alle anderen von oben herab ansieht und die Unterdrückung,
Ausbeutung oder sogar Vernichtung anderer Völker für gerechtfertigt
hält. Die Rassenpolitik des Dritten Reiches sah die Arier als Superrasse
an, die Juden dagegen als eine minderwertige Rasse, die mit Recht ausgewiesen
oder vernichtet werden konnte. In manchen Ländern werden Farbige als
grundsätzlich minderwertige Menschen angesehen, die man ruhig als Sklaven
ausbeuten darf und von, höheren Arbeitsstellen gesetzlich fernhalten
sollte.
Der letzte Begriff dieser Reihe, die den Rassismus kennzeichnet, ist
Lästerer (schmähsüchtig). Im Bezug auf den Rassisten erkennen
wir in diesem Wort den Drang, eine andere Rasse durch Verunglimpfungen und
Lügen zu schmähen. In Propagandafeldzügen wird über die
unbeliebte Rasse mit Schimpfnamen hergezogen, um den Haß für diese
Gruppe unter der Bevölkerung zu schüren. Die Schuld einzelner
Verbrecher aus dieser Rasse sowie die Schuld für die bestehenden
Sozialprobleme wird auf die ganze Rasse übertragen. Man unterstellt
der Gruppe böse Eigenschaften und falsche Motive, um sie als große
Gefahr für die Öffentlichkeit darzustellen. Im Dritten Reich war
die Überführung mancher jüdischer Verbrecher Grund, gegen
ein ganzes Judenviertel loszuziehen. Dem deutschen Volk wurde eingebleut,
daß die Juden für die Arbeitslosigkeit Deutschlands verantwortlich
seien und drohten, Deutschland zu übernehmen. Die Nazi-Führer
behaupteten, daß diese Gefahr durch strenge Maßnahmen gegen die
Juden beseitigt werden müsse. Heute haben manche Gastarbeiter
Schwierigkeiten, eine Wohnung zu mieten, weil viele verallgemeinern, daß
Ausländer schmutzig und unehrlich sind.
Die biblische Lösung des Rassenproblems
Die Lösung des Rassenproblems auf wirtschaftlichem und politischem Gebiet
kann in ihren Einzelheiten sehr kompliziert sein und muß immer die
vorhandenen Umstände berücksichtigen. Allerdings liefert uns die
Bibel wichtige Grundsätze, die für die Lösung dieses Problems
unumgänglich sind. Diese Prinzipien sollten uns dazu bewegen, unseren
Stolz abzubauen und die Gleichheit aller Menschen ernst zu nehmen.
Der erste Grundsatz führt uns auf die Erklärung Gottes über
die Schöpfung des Menschen zurück: »Laßt uns den Menschen
machen nach unserem Bilde, uns ähnlich« (1. Mose 1, 26). Entgegen
der modernen Entwicklungslehre ist der Mensch keine rein biochemische Gestalt,
die aus Materie zufällig entstanden ist, und deren Wert von Hautfarbe
und Leistungsfähigkeit abhängt. Im Gegenteil, die Bibel
läßt eindeutig erkennen, daß Gott jedem Menschen, ganz gleich
welcher Rasse, einen Geist gegeben hat, durch den sich der Mensch von allen
anderen irdischen Geschöpfen unterscheidet. Diese geistliche
Gemeinsamkeit mit Gott verleiht jedem Menschen eine besondere Würde,
ohne Rücksicht auf seine Rasse oder Stellung im Leben. Durch die
Schöpfung aller Menschen in seinem Ebenbild hat Gott den Wert aller
Rassen gleichgestellt. Also darf keine Rasse behaupten, daß sie vom
Wesen her überlegen sei. Ähnlich wie Samuel müssen auch wir
lernen, bei der Beurteilung von Menschen auf das Innere, statt auf das
Äußere zu schauen (1. Sam. 16, 6-7), denn in jedem Menschen, ganz
gleich welcher Hautfarbe, verbirgt sich eine menschliche Seele. Wie
widersprüchlich handeln wir, wenn wir Gott loben und preisen, aber Menschen
anderer Rassen, die in seinem Bilde sind, verachten oder sogar ermorden (Jak.
3, 91. Mose 9, 5-6)!
Den zweiten Grundsatz faßt Paulus in Römer 3, 9-10.23 zusammen:
»Wir haben sowohl Juden als Griechen zuvor beschuldigt, daß sie
alle unter der Sünde seien, wie geschrieben steht: Da ist kein Gerechter,
auch nicht einer... Es ist kein Unterschied, denn alle haben gesündigt
und erlangen nicht die Herrlichkeit Gottes.« Dieses Urteil betrifft
den Rassenkonflikt des Urchristentums, bei dem viele Juden als das
auserwählte Volk Gottes sich den Nicht-Juden überlegen wähnten.
Paulus, der selbst Jude war, macht diesen Stolz zunichte. Ganz konkret
überführt er die Juden als Sünder, die die Vergebung ihrer
Schuld durch Jesus genauso dringend brauchen, wie die Heiden (Röm. 2,
17-24, 3, 23-24). Stolz entsteht, wenn Menschen sich mit anderen Menschen,
oder Rassen sich mit anderen Rassen vergleichen. Wenn wir uns jedoch mit
dem Maßstab Gottes vergleichen, wird jeder, ganz gleich welcher Rasse,
als erbärmlicher Sünder entblößt, und damit schwindet
jeder Anspruch auf eine Sonderstellung vor Gott. Die Sündhaftigkeit
eines jeden Menschen stellt nun alle Rassen einander gleich.
Der dritte Grundsatz betrifft die Vergebung der Sünde durch Jesus Christus.
Paulus erklärt: »Da ist weder Grieche noch Jude, Beschneidung noch
Unbeschnittensein, Barbar, Skythe, Sklave, Freier, sondern Christus alles
in allen (Kol. 3,11). Denn ihr alle seid einer in Christus Jesus« (Gal.
3, 28). Die Vergebung der Sünde und die geistlichen Segen in Jesus kommen
allen zugute, die dem Evangelium gehorsam sind, ohne Rücksicht auf Rasse.
Deswegen hat Jesus seine Jünger beauftragt, in die ganze Welt zu gehen,
und das Evangelium der ganzen Schöpfung zu predigen (Mark. 16,15-16;
Matth. 28, 19-20). Wir sollten uns deswegen ernsthaft bemühen, Menschen
aller Rassen zu Christus zu bringen. Alle, die das Evangelium annehmen, sind
Geschwister in Gottes Familie, denn »alle sind einer in Christus
Jesus«. In der Gemeinde ist also kein Platz für Rassenstolz, Vorurteile
oder Diskriminierung, sondern hier müssen Liebe, Demut, Verständnis
und Hilfsbereitschaft für alle Menschen herrschen. Wie Petrus müssen
auch wir unseren Stolz und unsere Abneigungen gegen andere Rassen
überwinden, damit wir auch mit ihm sagen können: »in Wahrheit
begreife ich, daß Gott die Person nicht ansieht, sondern in jeder Nation
ist, wer ihn fürchtet und Gerechtigkeit wirkt, ihm angenehm« (Apg.
10, 34~5). Wer sich nicht so verhält, verkennt die überschwengliche
Liebe Gottes und riskiert, verurteilt zu werden (Gal. 2,11-14).
Diese drei Grundsätze bieten den Menschen nicht nur den Schlüssel
zur Lösung des Rassenproblems, sondern auch den Schlüssel zum ewigen
Leben. Angesichts dieser Prinzipien entbehrt der Rassismus jeder Grundlage.
Laßt uns nun danach streben, diese Lösung in die Tat umzusetzen.
Glenn Jones, Kiel