Christus und Satan

Versagen, Angst und Unrecht prägen oft unser Leben. Nach der Bibel ist dies teilweise auf einen großen geistlichen Krieg zwischen dem Reich Satans und dem Reich Christi zurückzuführen. Keiner kann diesem Krieg entgehen! Gerade deswegen ist die Begegnung zwischen Jesus und Satan höchst interessant und wichtig für uns.1

DIE PERSÖNLICHKEITEN

In der Versuchung Jesu ging es um eine persönliche Begegnung zwischen den Führern zweier geistlicher Reiche. Satan ist keine Witzfigur mit Mistgabel und Pferdefuß. Er ist eine echte Persönlichkeit, die als »Fürst« und »Gott« dieser Welt über das Dämonenreich herrscht.2 Er besitzt gewisse übernatürliche Kräfte, mit denen er Gott und Mensch auseinandertreiben will.

Der Gegner Satans war Jesus, den Gott eben erst bei Seiner Taufe als Seinen Sohn bestätigt hatte. Jesus war Gott in menschlicher Gestalt. Obwohl Er über göttliche Kraft und Weisheit verfügte, war Sein irdischer Leib mit menschlichen Schwächen und Trieben behaftet. Das machte Ihn für alle Versuchungen, die auch wir erleben, empfänglich. Gottes Plan für die Errettung aller Menschen stand auf dem Spiel. Würde Jesus Satan überwinden oder der Versuchung nachgeben und Kompromisse eingehen?

DIE ÄUSSEREN UMSTÄNDE

Die Versuchung kam sofort nach Jesu Taufe und Bestätigung als Sohn Gottes. Auch zu uns kommen Anfechtungen, wenn wir sie am wenigsten erwarten. Jesus wurde vom Heiligen Geist in die einsame Wüste getrieben, um vierzig Tage zu fasten und versucht zu werden. Versuchungen sind von Gott gewollt! Gott reizt zwar niemand zum Bösen, aber Er läßt uns - wie Jesus - auf die Probe stellen, damit wir uns bewähren, entwickeln und auf den weiteren Dienst vorbereiten können.

Am Ende der vierzig Tage setzte Satan noch einmal mit drei starken Versuchungen zum Angriff an.

ERSTE VERSUCHUNG: EIN RECHT AUF LEBEN?

Nach vierzigtägigem Fasten forderte der Teufel Jesus heraus: »Wenn du Gottes Sohn bist, so sprich, daß diese Steine Brot werden.« Satan wollte Jesu Stolz treffen und Seinen Hunger nutzen, um Seinen Glauben zu erschüttern. Hatte Gott Seinen Sohn in der Wüste im Stich gelassen? Mußte Jesus nicht eigenmächtig handeln, wenn Er überleben und weiterhin als Sohn Gottes wirken wollte?

Schlechte Lebensbedingungen und der Selbsterhaltungstrieb sind zwei empfindliche Stellen, die Satan bei Jesus traf und immer noch bei uns trifft. Der Teufel will, daß wir Gott für schlechte Umstände verantwortlich machen und eigenmächtiges Handeln gegen Gottes Willen rechtfertigen, z. B.: »Wenn du geschäftlich überleben willst, darfst du es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen.« Wenn es ums Überleben geht, wird oft Diebstahl mit Mundraub oder Mord mit Selbstverteidigung gerechtfertigt. Wie sollte ein Christ dazu stehen?

Jesus setzte die Heilige Schrift als Waffe ein: »Es steht geschrieben ...« Wer Satan überwinden will, muß die Schrift kennen. Er zitierte 5. Mose 8, 3: »Nicht von Brot allein soll der Mensch leben, sondern von jedem Wort, das durch den Mund Gottes ausgeht.« Leben und Sterben liegen schließlich in Gottes Hand. Leben - sowohl irdisch als auch geistlich - werden wir nicht durch eigenmächtiges Handeln gegen Gottes Wort, sondern wenn wir Ihm gehorchen und vertrauen.

ZWEITE VERSUCHUNG: VERSPRECHEN OHNE VERANTWORTUNG?

Satan brachte Jesus auf den höchsten Punkt des Tempels in Jerusalem und forderte Ihn auf hinunterzuspringen, um Seine Gottessohnschaft zu beweisen. Mit einem Schriftwort über den spektakulären Schutz durch Engel wollte er Jesus überzeugen, daß Gott Ihn immer beschützt.3

Satan bewegt immer noch Menschen zur Vermessenheit. Er stellt Gott als einen Schutzgeist dar, der das Leben narrensicher macht, ohne Rücksicht auf Verantwortung und Gehorsam. Um Vertrauen auf Gottes Schutz zu beweisen, haben manche sich in »heilige Kriege« begeben und so Satan gedient statt Gott. Andere hoffen auf die Zusagen Gottes, ohne ihre Verantwortung wahrzunehmen. Sie fühlen sich in der großen Gnade Gottes sicher, achten aber nicht auf den Glaubensgehorsam, der Voraussetzung für diese Gnade ist.

Jesus hatte keinen Auftrag von Gott für einen Sprung vom Tempel und entgegnet mit 5. Mose 6, 16: »Du sollst den Herrn, deinen Gott nicht versuchen.«

Wir versuchen Gott, wenn wir Ihn auf die Probe stellen, ob Er nach unseren Vorstellungen handelt und wenn wir unsere Treue zu Ihm von der Erfüllung unseres Willens abhängig machen. Es ist Vermessenheit Gott diktieren zu wollen, wie Er für uns zu sorgen hat. Seine Verheißungen sind groß und wahr, aber an unseren Gehorsam geknüpft: »Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach Seiner Gerechtigkeit, und dies alles (Kleidung und Nahrung) wird euch hinzugefügt werden.«4 Paulus schrieb: »Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken.«5

DRITTE VERSUCHUNG: DER ZWECK HEILIGT DIE MITTEL?

Satan führte Jesus auf einen hohen Berg und zeigte Ihm alle Reiche der Welt, die Jesus im Dienst Satans für sich gewinnen könnte. Wäre es nicht zweckmäßiger, mit seiner Hilfe die Menschen für Gott zu gewinnen? Könnte Er sich nicht die langwierige Predigtarbeit und die bittere Kreuzigung ersparen? Würde Er so nicht mehr Menschen für sich gewinnen

und die traurige Wahrheit ändern, daß nur wenige gerettet werden?'

Ähnliche Fragen stellen sich für uns heute. Sollten wir die biblische Lehre über Glauben, Buße und Glaubenstaufe als Voraussetzung für Gottes Gnade ändern, um die Einheit vieler Glaubensrichtungen zu erleichtern? Sollten wir die Lehre des Neuen Testaments über die Stellung der Frau und die Ehe dem Zeitgeist anpassen, um es für »moderne« Menschen schmackhaft zu machen?

Jesus ließ sich nicht für einen Moment auf Kompromisse mit dem Versucher ein: »Geh weg, Satan!«7 Seine Begründung kam aus 5. Moose 6, 13-14: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und Ihm allein dienen.« Jesus erkannte, was auch wir lernen müssen: Erfolg liegt nicht in großen Zahlen und Mehrheiten, sondern in der Erfüllung des Willens Gottes, denn Er allein kann uns retten.

Satan konnte Jesus nicht zum Ungehorsam bewegen und ließ eine Zeitlang von ihm ab. Hier zeigte Jesus Seine Macht über den Teufel. Deshalb kann Er uns in Versuchungen verstehen und helfen. Wenn wir als Christen aus dem Vorbild Jesu lernen und Gott um Seine Hilfe bitten, werden wir wie Christus siegen.«8

Glenn Jones, Kiel

  1. Matthäus 4, 1-11; Markus 1, 12.13; Lukas 4, 1-13
  2. Matthäus 12, 2~26; Johannes 12, 31; 2.Korinther 4, 4
  3. Psalrri 91, 11. 12
  4. Matthäus 6,33
  5. Römer 8, 28
  6. Matthäus 7, 13.14
  7. Matthäus 4, 10
  8. Hebräer 2,1418; 4, 1416.