Jeder Christ hat die Verantwortung, das Evangelium zu verbreiten; sei es
öffentlich in der Gemeinde, privat unter Freunden, Nachbarn, Kollegen,
Verwandten oder als Elternteil in der Kindererziehung. Dabei ist es wichtig,
von dem Lehrmeister - Jesus Christus - zu lernen.
Sicherlich läßt sich nicht alles im Wirken Jesu auf uns
übertragen. Wir sind nicht Christus, der Sohn Gottes, und wir leben
nicht als Juden unter dem Gesetz Mose. Dennoch gibt uns Jesus in Seinem Leben
die nötige Anweisung für unsere Lehraufgaben.
Besonders aufschlußreich ist Jesu Verhalten bei den Ereignissen um
die Speisung der Fünftausend. Er suchte mit Seinen Jüngern Ruhe
am Ostufer des Galiläischen Meeres. Diese Ruhe fand Er vorerst nicht,
weil Ihm eine große Menschenmenge dorthin gefolgt war. Tiefbewegt von
ihren menschlichen Nöten lehrte Er sie und heilte ihre Kranken. Durch
Seine göttliche Kraft versorgte Er fünftausend Menschen mit Speise
aus nur fünf Broten und zwei Fischen. Als aber das Volk Ihn zum König
machen wollte, schickte Er Seine Jünger wieder ans Westufer und zog
sich auf den Berg zurück, um allein zu beten. Später sah Er die
Jünger auf dem See gegen den Sturm ankämpfen und ging auf dem Wasser
zu ihnen. Hier wurde Petrus geprüft: Auch er ging auf dem Wasser, aber
wegen seiner Zweifel drohte er zu ertrinken. Schließlich kamen Jesus
und die Jünger bei windstillem Wetter ans Westufer. Das
zurückgebliebene Volk fand Jesus am nächsten Tag nicht. Die Menschen
eilten ans Westufer und fanden Ihn in Kapernaum. Diesmal kritisierte Jesus
ihre egoistischen Motive. In Seiner Predigt über »das Brot des
Lebens« bezeichnete Er sich als Quelle ewigen Lebens. Seine Worte
stießen vielfach auf Ablehnung und veranlaßten zahlreiche Nachfolger,
Ihn zu verlassen. Lesen Sie selbst diese interessante Geschichte in der Bibel
nach!1
Die Menschenmassen waren für Jesus weder anonyme Kundschaft, noch
eindrucksvolle Zahlen für eine Statistik oder gar lästiger Pöbel.
Er sah in ihnen einzelne Menschen, belastet und verloren vor Gott. Er
kümmerte sich um ihre leiblichen und geistlichen Bedürfnisse, auch
wenn Er den Wunsch nach Ruhe vorerst zurückstellen mußte.
Hier zeigte Jesus eine wichtige Voraussetzung für den Lehrer des
Evangeliums: Liebe, die sich in echtem Interesse für das leibliche,
vor allem aber für das geistliche Wohl des Menschen äußert.
Die beengten Verhältnisse des Stadtlebens und die Hektik am Arbeitsplatz
und zu Hause können dazu führen, daß wir Menschen lieber
meiden, als ihnen zu helfen. Wie Jesus müssen wir die Menschen lieben.
Ihre Not vor Gott soll uns anspornen, ihnen die nötige Hilfe zu geben
und ihnen vor allem die Errettung durch das Evangelium zu zeigen.
So sehr Jesus sich für das Volk engagierte, sorgte Er immer wieder für
wohltuende Ruhe, um sich zu erholen und durch Gebet geistlich zu
stärken.2 Außerdem nutzte Er ruhige Zeiten, um mit
Seinen Jüngern schwierige Themen zu erörtern.3
Obwohl sich Menschen heutzutage nach Ruhe sehnen, füllen sie ihre Freizeit
mit zerstreuenden und hektischen Aktivitäten. Dabei kommen Erholung
und Erbauung zu kurz. Wir verurteilen nicht jede Freizeitbeschäftigung.
Aber Lehrer müssen Ruhe schaffen, um zu beten, Gottes Wort zu lesen
und zu überdenken und sich körperlich zu erholen.
Jesus stellte häufig den Glauben Seiner Jünger auf die Probe: Er
fragte Philippus, woher die Speise für die Massen kommen
sollte4, Er fragte den sinkenden Petrus, warum er so
kleingläubig sei5 und forderte Seine Zuhörer in Kapernaum
auf, sich für oder gegen Ihn zu entscheiden6. Solche Proben
hatten zum Ziel, uneingeschränktes Gottvertrauen zu wecken.
Wie bei Philippus, müssen auch wir durch Fragen zur Stellungnahme zu
Gottes Wort und Kraft herausfordern, damit sich die Menschen mit Gott
auseinandersetzen und zu einer eigenen Glaubensüberzeugung kommen.
Wie bei Petrus können wir Geschwister zu verschiedenen Aufgaben anhalten,
ja herausfordern, damit sie wichtige, wenn auch schmerzliche Erfahrungen
sammeln. Wie Jesus muß ein Lehrer dem Lernenden mit Geduld,
Unterstützung und hilfreicher Kritik zur Seite stehen. Nach dem Vorbild
Christi sollten auch wir den Mut aufbringen, Menschen nach ausreichender
Belehrung zu einer Entscheidung für oder gegen Ihn aufzufordern.
Jesus erklärte dem Stadthalter Pilatus: Mein Reich ist nicht von dieser
Welt.7 Darum hatte Er es nicht zugelassen, daß Ihn die
Volksmenge nach der Speisung der Fünftausend zum König machte.
Gottes Reich läßt sich nicht durch politische Maßnahmen
aufrichten. Als die Menge Ihn in Kapernaum wiederfand, bot Er Ihnen kein
Essen an, um Seine Botschaft attraktiver zu machen oder sie an sich
zu binden. Er entsprach auch nicht ihrer Sensationslust, als sie ein
Zeichen für ihren Glauben verlangten, als hätten sie nicht ausreichend
Zeichen gesehen.
Dieses Verhalten Jesu warnt uns vor einem »Sozialevangelium«.
Sündenvergebung und ewige Errettung werden nach der Bibel nicht dadurch
erreicht, daß wir sozialpolitische Probleme lösen8 oder
Menschen durch verlockende Angebote zum Lippenbekenntnis für Jesus bewegen.
Wir wollen wirklich überdenken, wie wir Menschen zu Jesus
führen können, denn beim Herrn gilt nicht: Der Zweck heiligt die
Mittel.9
In Kapernaum rief Jesus die Zuhörer auf, über ihre
vordergründigen, irdischen Interessen hinauszudenken und geistliche
Speise für das ewige Leben zu suchen. Er stellte sich selbst als das
»Brot des Lebens« dar. Er versprach, die tiefsten, geistlichen
Bedürfnisse zu befriedigen und ewiges Leben durch die Auferweckung am
letzten Tag zu schenken.10 Durch den Glauben kann jeder Mensch
Jesus als Brot des Lebens annehmen. Der Glaube entsteht durch das Hören
und Lernen der Worte Jesu. Er allein hat den Vater gesehen und kann Gottes
Willen vermitteln.11 Jesus ist das ewige Brot, weil Er Sein Fleisch
und Blut für das Leben der Welt hingegeben hat und zu Seinem Vater im
Himmel gegangen ist. Die enge Verbindung mit diesem Opfer ist für das
ewige Leben erforderlich.12
Ohne die frohe Botschaft vom ewigen Leben in Christus erreichen wir nichts.
Lassen wir uns nicht dadurch entmutigen, wenn der Anspruch Jesu häufig
Anstoß erregt. Wir wollen wie Jesus den Menschen mit Bibelkenntnis
und bildhafter Sprache die unermeßliche Bedeutung dieser Botschaft
in unermüdlicher Liebe vermitteln.
Glenn Jones, Kiel